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die Bosener Gruppe
Text des Monats
Monat 02/2025:
Verbòòtzen von Harald Ley
Allez dann hopp!
Das Gedicht Verbòòtzen des saarländischen Autors Harald Ley ist Mundarttext des Monats im Februar 2025, darauf hat sich das Kolloquium der Bosener Gruppe verständigt.
Der Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, weil darin das scheinbar spielerisch leichte Verkleiden zu exakt immer der gleichen Zeit im Jahr unerwartet neu betrachtet.
Zur Bosener Gruppe gehören:
Über den ausgewählten Text schreibt der saarländische Autor Gérard Carau:
Der Februar, der ehemals letzte Monat des Jahres, ist zumindest in Deutschland der „Fastnachtsmonat“ geworden. Er lädt vor dem Aschermittwoch und der langen darauffolgenden Fastenzeit zu ausgiebigem Feiern ein, bevor die innere Reinigung beginnt (oder beginnen sollte). Die „Faasend“ ist ein säkulares Fest, das im 19. Jahrhundert politische Dimensionen angenommen hat: Der Bürger durfte für kurze Zeit und in einem bestimmten Rahmen seine Lebenslust und seinen Unwillen über gewisse politische Zustände artikulieren, bevor er zur gebotenen Ordnung zurückkehrte. Ein Ventil war geöffnet worden, über das mehr oder weniger heftig Dampf abgelassen werden konnte.
Das „Verbootzen“ war so eine Möglichkeit, für kurze Zeit „aus sich heraus“ zu gehen, ein anderer zu werden, in eine andere Haut zu schlüpfen und auszuprobieren, wie man sich darin (mehr oder weniger) wohlfühlt. Für ein paar wenige Tage bin ich mal ein anderer/eine andere, und darf es ungehindert und zu meinem Vergnügen sein. Wer erinnert sich nicht an das schöne Foto mit Oskar Lafontaine als Napoleon und seiner Sarah als dunkellockiger Maid! Da ist jemand in seiner Rolle aufgegangen und hat die „Anwandlung“ sichtlich genossen. Heute wird es wohl bald gesetzlich verboten werden, sich als Indianer/in, wie wir es als Kinder taten, zu „verbòòtzen“, weil so etwas die Indigenen diskriminieren würde.
Harald Ley hat in seiner Saarluier Spròòch dieses Phänomen unseres hiesigen gesellschaftlichen Lebens trefflich thematisiert: aus seiner alten Haut fahren, lebenslustig sein, über die Maßen feiern, (leicht) aus der Reihe tanzen, über andere spotten, die schlimme dumme Welt drum herum für einen Moment vergessen.
Aber alles „Verbòòtzen“, wie therapeutisch wirksam es zeitweilig sein mag, hilft nicht. Eine dauerhafte Änderung (im Sinne einer Besserung) bewirkt die „Faasend“ (leider) nicht. Muss sie wohl auch nicht, oder? Allez hopp dann!
Verbòòtzen
Aan Faasend séch verbòòtzen fó mòl annerscht se sénn äs wie sonscht, mòl scheen se génn odder mòl schróò, so ausgesínn, dat ennen kääner kennt, de Buud off de Kopp stellen kénnen, drei Daa an ääm Stéck loschdisch sénn, rommspréngen wie verréckt vor Frääd, mòl äämòl aus der Reih rausdanzen, die anner Leit veräppeln doun onn der Welt de Bockel ronnerrutschen. Aan Faasend sich verbòòtzen, dat éss so leicht, vill leichter, äss wie séch ännern.
Harald Ley