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die Bosener Gruppe

Text des Monats

Monat 06/2024:
Mei Fahrrad von Christel Keller

Fortwährendes Strampeln

Das Gedicht Mei Fahrrad der saarländischen Autorin Christel Keller ist Mundarttext des Monats Juni Mai 2024, darauf hat sich das Kolloquium der Bosener Gruppe verständigt. Der Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, weil er in seiner Kürze und Prägnanz viel Raum für Interpretation bietet.

Zur Bosener Gruppe gehören:

Über den ausgewählten Text schreibt die saarländische Autorin Hildegard Driesch:

Der Mundarttext des Monats Juni 2024 stammt von der saarländischen Mundartautorin Christel Keller. Sie ist in Mundartkreisen gewiss keine Unbekannte, ist sie doch die Vorstandssprecherin des Mundartrings Saar. Ein Buch ist von ihr erschienen: „Schimpfwörter und Kosenamen aus dem Saarbrücker Land.“

Wie man am Tag der Muttersprache erfahren konnte, begrüßt Christel Keller einen selbstbewussten Umgang mit regionalen Dialekten, will sagen, in „unseren Breiten“ mit der rheinfränkischen und der moselfränkischen Sprache mit ihrem Facettenreichtum.

Christel Keller, geboren in Völklingen, aber schon lange wohnhaft in Saarbrücken St. Johann, schreibt überwiegend Prosatexte in ihrer rheinfränkischen Muttersprache. Irgendwann fand sie auch Gefallen am Schreiben von „Tankas“, einer japanischen Kurzgedichtform, die aus einer dreizeiligen Oberstrophe und einer zweizeiligen Unterstrophe, zusammen aus einunddreißig Silben, besteht. Ein solches Tanka ist unser diesmaliger Text des Monats, fünf Zeilen mit einer starken bildsprachlichen Aussagekraft.

Ihr Fahrrad ist, wie die Autorin schreibt, ihr bestes Stück, ein wichtiges Fortbewegungsmittel, kein E-Bike, nein, ein Fahrrad, das allein mit Muskelkraft bewegt wird. Man stellt sich vor, wie sie ihre Alltagsbesorgungen auf den Radwegen der Stadt miteinander verbindet und in der Freizeit ihr Stahlross auf längeren Radtouren gebraucht. Da geht es bergauf und bergab. Trotz aller Aufmerksamkeit und Anstrengung kommt es vor, dass sie sich verfährt, ermüdet, sich mit einem platten Reifen ärgern muss, das sich vorgenommene Ziel nicht erreicht. Haben wir nicht alle schon diese Erfahrung auf die eine oder andere Art gemacht?

Mei Fahrrad

Fahrrad, mei bescht Schdigg!
Bin mit dir rumgejaggad,
grad wie im Lääwe.

Geschdrawweld ruff unn runna,
unn doch es Ziel nidd erreichd.

Christel Keller