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die Bosener Gruppe

Text des Monats

Ur­su­la Ker­ber
Ur­su­la Ker­ber

Monat 10/2015:
Em al­ten Haus von Ur­su­la Ker­ber

Das Echo der Erinnerung

Das Ge­dicht Em al­ten Haus der saar­län­di­schen Au­to­rin Ur­su­la Ker­ber ist Mund­art­text des Mo­nats im Ok­to­ber 2015, da­rauf hat sich das Kol­lo­qi­um der Bo­se­ner Grup­pe auf sei­ner letz­ten Ta­gung ge­ei­nigt.

Die­ser Text wur­de aus­ge­sucht, so Ka­rin Klee, Au­to­rin und ei­ne Spre­che­rin der Bo­se­ner Grup­pe, weil Ur­su­la Ker­ber dar­in wie ne­ben­bei ei­ni­ge ganz fun­da­men­ta­le Ein­sich­ten über das, was ein Men­schen­le­ben aus­macht, mit poe­ti­scher Strahl­kraft ver­sieht.

Die Bo­se­ner Grup­pe ist ein Zu­sam­menschluss von Sprach-Künst­lern, die es sich zum Ziel ge­setzt ha­ben, die hohe li­te­ra­ri­sche Wer­tig­keit und Aus­drucks­kraft der re­gio­na­len Dia­lekt­spra­che ins all­ge­mei­ne Be­wusst­sein zu ru­fen. Zur Bo­se­ner Grup­pe gehören:

Zu dem aus­ge­such­ten Text schreibt der Au­tor und Spre­cher der Bo­se­ner Grup­pe, Pe­ter Eckert:

We­ni­ge „Sa­chen“ sind so sehr mit den Zy­klen ei­nes Men­schen­le­bens ver­knüpft wie das Haus, in dem die­ses Le­ben ge­lebt wird. Als sta­bi­ler Le­bens­mit­tel­punkt sieht es sei­ne Be­woh­ner kom­men und ge­hen. Fast wird es darü­ber selbst so et­was wie ein Le­be­we­sen.

Wie oft mag das Haus, von dem Ur­su­la Ker­ber spricht, die­ses Kom­men und Ge­hen schon er­lebt ha­ben? Einst war es fast zu klein für all das le­ben­di­ge Trei­ben sei­ner Be­woh­ner, nun scheint es, ob­wohl selbst un­ver­än­dert, viel zu groß. Nach und nach sind fast al­le fort­ge­gan­gen, ih­re Zim­mer „fal­len in Ru­he“. Ge­blie­ben sind Spu­ren ge­leb­ten Le­bens; noch im­mer wohnt es in al­len Win­keln. Sei­ne Stim­men flüs­tern zu­wei­len Ant­wor­ten auf Selbst­ge­spräche der ver­blie­be­nen Be­woh­ner. Aber auch sie zie­hen sich zurück auf den klei­nen Raum, den sie für sich und ih­re Erin­ne­run­gen noch brau­chen.

Vor­der­grün­dig scheint Ur­su­la Ker­ber nur un­spek­ta­kulä­re Sze­nen aus ei­nem ganz nor­ma­len Men­schen­le­ben zu skiz­zie­ren. Aber die Art, wie sie es aus­drückt, macht aus All­täg­li­chem be­rüh­ren­de poe­ti­sche Bil­der.

Em al­ten Haus

Beinääkscht ze klään fó allegaaren
haut vill ze grooß fó deich allään
Lachen Kreischen Mussik Lewen
un wéi se kómm sénn 
sénn se nòénanner gang

Hall bloß kää Angscht
et éss doch émmer
noch et selwich Haus

Et Echo vaan de Stémmen
waant weider én de Ecken
un wann de mét der selwer schwätscht
péschbert alsemòòls 
vaan irjentwo en Antwort

Zémmer fó Zémmer
fällt én Rouh
Erénnerongen brauchen
wenich Plätz

Ur­su­la Ker­ber