//

die Bosener Gruppe

Text des Monats

Lucien Schmitthäusler
Lucien Schmitthäusler

Monat 07/2010:
Klàtschrose von Lucien Schmitthäusler

Die hohe Schule der Sommerfreude

Lucien Schmitthäuslers „Klàtschrose“ ist Mund­art­text des Monats Juli

Als Mundarttext des Monats Juli 2010 wird das Gedicht Klàtschrose des Lothringer Autors Lucien Schmitthäusler prämiert, darauf hat sich das Kolloqium der Bosener Gruppe bei seiner letzten Tagung geeinigt. Man entschied sich für diesen Text, so Karin Klee, saar­län­di­sche Schriftstellerin und eine Sprecherin der Bosener Gruppe, weil er in seiner prägnant knappen, gleichzeitig philosophisch poetischen Art ein gelungenes Beispiel dafür ist, wie die Sprache eines Autors es schafft, mit den bisweilen traurigen Unabänderlichkeiten des Lebens erleich­ternd umzugehen.

In ihrem Bosener Manifest hat sich die Arbeitsgemeinschaft für rhein- und moselfränkische Mundart zum Ziel gesetzt, die Mundarten der Region in ihrer ursprünglichen Wertigkeit und Schönheit zu würdigen. Als eine der selbstverständlichen Konsequenzen hieraus soll die Dialektsprache als Möglichkeit einer anspruchsvollen literarischen Ge­stal­tungs­form präsentiert werden. Preiswürdige Texte werden jeweils auf Vorschlag der Mitglieder der Bosener Gruppe ausgewählt und juriert. Zur Bosener Gruppe gehören u.a. Johannes Kühn, Heinrich Kraus, Georg Fox, Relinde Niederländer, Peter Eckert, Helga Schnei­der, Bruno Hain, Günther Hussong, Hildegard Driesch, Thomas Lieb­scher, Ursula Kerber, Ute Zimmermann, Gérard Carau, René Egles, Wolfgang Ohler, Norbert Schneider, Manfred Moßmann, Harald Ley, Günter Speyer, Marcel Adam, Hans-Walter Lorang, Gisela Bell, Manfred Pohlmann, Jo Nousse, Walter Liederschmitt und Jean-Louis Kieffer.

Zum dem ausgezeichnten Text schreibt die saarländische Autorin Ursula Kerber:

Lucien Schmitthäusler, den Übersetzer, Autor und Poeten, geb. 1935 in Saargemünd, muss man hier gewiss nicht mehr näher vorstellen. Es ist immer wieder faszinierend, in seinen Texten – so ernsthaft und kritisch beobachtend sie auch sind – Charme und Schalk, Witz und pure Lebensfreude zu entdecken; dieses „grad ze läd“, wie er selbst an anderer Stelle schreibt.
Das ausgewählte Gedicht „Klàtschrose“ zeigt diese hohe Kunst in wenigen Zeilen. Es skizziert eine kleine Sommer-, Liebesgeschichte, deren Poesie sich unmittelbar erschließt. Ein Wechselspiel, zart, schmeichelnd und wild zugleich, das Ende schon im Blick.
Gerade in diesen Wochen leuchten die „Klàtschrosen“ (Klatschmohn, Mohnblumen) weithin sichtbar in den Feldern, eine viel zu kurze Zeitspanne nur. Klàtschrose rot – wir sollten uns die Sommerfreude gönnen, „grad ze läd“.

Klàtschrose

De wilde Weschtwind
verschtruw’lt de Reck von Klàtschrose.
Gib mà die Händ, scheni Frau,
loss de Wind blose unn roose,
de Reen reene iwer Wies unn Au.
Kurz isch de Weg vom Lewe zum Dot.
De Rock von de Klàtschros isch rot.

Lucien Schmitthäusler